Narjan-Mar – Die Rote Stadt

Narjan-Mar ist die Hauptstadt des autonomen Kreises der Nenzen (rus. Nenezki awtonomny okrug – kurz: NAO). Die Stadt liegt unweit der ersten Stadt in der russischen Arktis überhaupt am Fluss Petschora. Mit ihrem Flughafen bietet Narjan-Mar den idealen Ausgangspunkt um den russischen Norden zu erkunden.

Der Name Narjan-Mar kommt aus der Sprache der Nenzen und bedeutet übersetzt „Rote Stadt“, wobei das Rot hier den Kommunismus meint. Heute ist bis auf einzelne Symbole, wie zum Beispiel Hammer und Sichel an der Fassade des Rathauses, nicht mehr viel Kommunismus zu sehen.

Flagge Naryan-Mar
Flagge von Naryan-Mar

Video: Narjan-Mar

Narjan-Mar

NAO – Nenets Autonomous Okrug

Der „Nenets Autonomous Okrug“ oder auf deutsch „Autonomer Kreis der Nenzen“ ist Teil der Oblast Archangelsk und ist eine der nördlichst gelegenen Regionen Russlands. Wie zu erwarten ist die Region sehr dünn besiedelt und vom internationalen Tourismus noch nicht entdeckt worden. Es ist aber nicht so schwierig eine Reise von Deutschland aus zu unternehmen. Nur der Zugang zur Petschorasee ist für Ausländer erst mal versperrt. Hier bedarf es einer speziellen Genehmigung und wir haben auch noch nicht heraus gefunden wie und wo man die bekommen kann. Der Grund dafür ist, dass ein Großteil der Küste ein Naturreservat ist bzw. dort einige der wichtigen Gasvorkommen der Russischen Föderation lagern.

NAO

Die Nenzen

Die Nenzen sind das indigene Volk welches sich zum größten Teil auf dem Gebiet des autonomen Kreises aufhält und ihm auch seinen Namen gibt. Nenze übersetzt, bedeutet soviel wie Mensch. Sie sind Nomaden, welche das ganze Jahr über mit ihren Rentierherden durch die polare Tundra ziehen. Dabei bauen sie immer wieder ihre Zelte, so genannte Tschums, auf und ab.

Die Nenzen leben sehr im Einklang mit der Natur und was sie ihnen zu bieten hat. Kleidung und Tschum werden aus Rentierfellen hergestellt. Die wenigsten haben motorisierte Fortbewegungsmittel und setzen stattdessen auf Rentiergespanne, welche selbst gebaute Schlitten, so genannte Narten, ziehen. Die Schlitten sind so geschickt konstruriert, das sie nicht nur im Schnee gut funktionieren, sondern auch im Sommer wenn die unebene und morastische Tundra durchquert werden muss.

Rentiere und Helikopter bei den Nenzen
Rentiere und Helikopter bei den Nenzen by Vladimir Trofimov

Für die Kinder der Nenzen besteht aber auch eine Schulpflicht und so verbringen sie ca. ein halbes Jahr ohne ihre Eltern in den Schulen/Internaten von Städten. Dafür werden sie mit dem Hubschrauber-(Schulbus) ein- und ausgeflogen. Hubschrauber sind außerdem Krankenwagen und die einzige Möglichkeit für die Nomaden mit dem Rest Russlands in Kontakt zu treten.

Nur im November/Dezember nähern sich die Nenzen mit ihren Rentierherden den Städten. Dann ist nämlich Schlachtfest und sie versuchen das Fleisch der Tiere an den Mann zu bringen. Das fällt auch nicht so schwer, weil es wirklich lecker ist.

Von Narjan-Mar aus gibt es einige wenige Möglicheiten eine Nenzenfamilie zu besuchen und für eine paar Tage in einem Tschum zu leben und in ihr Leben einzutauchen. Im Sommer erreicht ihr sie ausschließlich per Helikopter, im Winter auch per Schneemobil oder Trekol.

Narjan-Mar von oben

Narjan-Mar von oben

Wie kommt ihr nach Naryan-Mar

Wie fast alle Regionen der Russischen Föderation, ist der autonome Kreis der Nenzen am einfachsten auf dem Luftweg zu erreichen. Der Naryan-Mar wird von Moskau, St. Petersburg, Archangelsk, Kirov und Syktyvkar aus angeflogen.

Der Flughafen NNM ist nur 10 Minuten vom Stadtzentrum Naryan-Mars entfernt. Die Flugzeit von Moskau aus beträgt nur gut 2,5 Stunden. Inklusive der Flugzeit aus Deutschland, ist man also in weniger als einem Tag in Narjan-Mar.

Flughafen Narjan-Mar
Flughafen Narjan-Mar

Mietwagen Narjan-Mar
Mietwagen Narjan-Mar

Einen offiziellen Mietwagen in Narjan-Mar zu finden ist nicht möglich. Es gibt schlicht keine Autovermietung in der Stadt oder am Flughafen. Es bietet sich aber schon an einen fahrbaren Untersatz zu haben wenn ihr euch mehrere Tage in der Stadt aufhalten möchtet. Selbst im Winter kommt man auf den Straßen in und um das Stadtgebiet, mit einem normalen PKW, gut vorran. Die Lösung sind Privatpersonen die ihre Autos gern an Fremde vermieten. Das kostet zwar fast soviel wie ein Mietwagen in Deutschland und Versicherung hat man auch keine, aber das Risiko ist recht gering. Ihr müsst wissen, das auf den wenigen Straßen in Narjan-Mar kaum schneller als 30-40 km/h gefahren wird.

Es gibt auch Taxis in Narjan-Mar. Die könnt ihr euch über die App „InDriver“ oder vom Hotel aus rufen. Sämtliche Tourveranstalter holen euch aber auch immer direkt bei der Unterkunft ab.

Auf dem Landweg ist es schon etwas abenteuerlicher. Es gibt nämlich KEINE permanente Straßenverbindung von Naryan-Mar zum Rest Russlands. Warum nicht permanent? Diese Frage ist recht schnell beantwortet. Mit dem Auto oder Motorrad ist die Straße nur im Winter passierbar.

Wobei Straße schon recht übertrieben ist. Es handelt sich um eine Winterstraße, ein sogenannter Zimnik. Sobald die Temperaturen fallen und genügend Schnee liegt, wird dieser mit Wasser verdichtet und so passierbar gemacht. Ein Teil des Zimniks führt auch über gefrohrene Flüsse und Seen, die dann vom losen Schnee befreit werden.

Truck auf Zimnik
Truck auf Zimnik

In den Sommermonaten ist die Region nur per mehrtägiger Fähre, mit Offroad tauglichen Fahrzeugen zu erreichen. Die Fähre auf dem Fluss Petschora startet in Ust-Zilma in der Republik Komi. Die Fähre muss weit im Voraus gebucht werden, man man sicher einen Platz haben möchte.

Übernachten in Narjan-Mar

In Narjan-Mar gibt es nur 3 erwähnenswerte Hotels The Arctic Capital, Hotel Pechora, Hotel Pustozersk und ihr könnt im Arctic Center übernachten. Letzteres liegt aber recht weit außerhalb der Stadt und ringsherum ist absolut nix. Ihr bräuchtet dann unbedingt einen Mietwagen.

Wir haben uns eine kleine Feienwohnung im Zentrum der Stadt gesucht. Das war etwas günstiger als die Hotels und wir hatten auch gleich eine erste nette Bekanntschaft gemacht. Der Eigentümer hat uns vom Flughafen abgeholt die wichtigsten Plätze rund um die Wohnung und in der Stadt gezeigt.

Generell gibt es sehr wenige Übernachtungsmöglichkeiten und ihr sollte unbedingt im Voraus buchen, wenn es einigermaßen günstig sein soll oder um überhaupt einen Schlafplatz zu finden.

Essen in Narjan-Mar

Lebensmittel sind in Narjan-Mar relativ teuer im Vergleich zum russischen Durchschnitt. Das ist auch verständich, da die meinsten Sachen erst aus den südlicheren Regionen hier hoch in den Norden transportiert werden müssen. Da es auch keine permanente Straßen- oder Zugverbindung gibt kommt es manschmal vor, dass z.B. Tomaten plötzlich das 5-fache wie in Moskau kosten. Besonders wenn der Zimnik (Winterstraße) gesperrt ist und einige Lebensmittel knapp werden.

Lokale Lebensmittel in der Region sind vor allem Rentierfleisch von den Nenzen, 27 Fischarten aus dem Fluss Pechora und Moltebeeren. Aus letzteren wird unter anderem Mus, Marmelade oder sogar Tee gemacht. Die Beeren haben einen ganz interessanten Geschmack und wenig Süße.

Folgende Restaurants können wir euch empfehlen:

  • Timan – eher ein kleines Museum mit Bewirtung, unbedingt sehenswert
  • Kochevnik – übersetzt „Nomade“, gute lokale Gerichte
  • Fregat – hier gibt es einen Mix aus lokaler und japanischer Küche
  • Artishok – recht zentral gelegen und ein wenig günstiger
  • Arctic Burger – für Burgerfreunde, das einzige Fast Food Restaurant der Stadt

Rentier aus der Dose
Rentier aus der Dose

Viele Produkte eigenen sich auch als Mitbringsel von einer Reise in die russische Arktis. Bei Fleischprodukten solltet ihr aber vorsichtig sein, diese sind nicht erlaubt in die EU einzuführen. Wenn ihr aber etwas Rentierschinken als Reiseproviant mitnehmen wollt, achtet auf das Logo von Olenina NAO Fleischwarenkombinat, das ist der einzige lokale Produzent der das Fleich offizell verarbeitet. Es gibt in der Stadt einige kleine Läden, welche die Produkte verkaufen. Die Lokals empfehlen auch Rentier aus der Dose. Das ist ein Muss-Mitbringsel wenn sie Bekannte oder Verwandte besuchen.

Aktivitäten in und um Narjan-Mar

Die russischen Geländewagen, auch Trekol genannt, sieht man überall in der Region und ja es macht einen Heidenspaß damit durch die verschneite Tundra zu fahren. Straßen brauchen die Monstertucks keine, denn selbst Sumpflandschaften oder Gewässer stellen kein Hindernis dar.

Trekol ist eigentlich der Name des russischen Herstellers der Fahrzeuge und es gibt sie in verschiedensten Ausführungen.

Ihr könnt Touren z.B. nach Pustozersk und zu den Nenzen im Trekol buchen oder euch eins mieten und einfach so durch umliegende Gegend fahren. Wenn ihr nett fragt lässt euch der Fahrer auch gern mal selbst ans Steuer.

Trekol
Trekol

Wie fast überall in arktischen Gefilden find man natürlich auch in Narjan-Mar eine Sauna. Und nach einem Tag bei -30°C oder weniger ist das Entspannung pur. Ihr solltet wissen das es keine, wie in Deutschland üblich, öffentlichen Saunen gibt. Ihr müsst euch vorab einen Termin reservieren und habt die Sauna dann ganz für euch allein. Oft ist auch noch ein Pool dabei, wo man zwischen den Saunagängen entspannen kann.

Der Fluss Petschora und seine Nebenflüsse sind sehr fischreich und ziehen viele Angler und Fischer an. In den Sommermonaten kann man in kleinen Motorbooten auf die Jagd gehen. Im Winter ist Eisangeln angesagt.

Auch Kajak fahren oder Kajaktouren bieten sich auf dem Fluss Petschora an. Im Sommer gibt es Möglichkeiten Kajaks zu leihen oder Touren mit dem Kajak zu buchen.

Für uns war einer der Hauptgründe nach Narjan-Mar zu reisen, die Polarlichter zu sehen. Die Region ist prädestiniert dafür, da sehr nördlich gelegen, sehr dünn besiedelt und ohne störende Lichtquellen. Allerdings muss das Wetter auch mitspielen, denn wenn sich Wolken oder Nebel zwischen euch und die Aurora schieben, sieht man herzlich wenig.

Tipps für eine erfolgreiche Polarlichtjagd:

  • es muss polarer Winter sein (optimal Oktober bis März), denn im Sommer wird es einfach nicht mehr richtig dunkel in der Arktis
  • Nächte mit Vollmond solltet ihr auch meiden, da das helle Licht des Mondes das oft recht schwache Licht der Aurora überstrahlt
  • es sollte kalt sein, also richtig kalt! Wenn die Temperaturen steigen bildet sich oft sehr dichter Hochnebel.
  • es braucht Sonnenaktivität und die lässt sich leider nicht planen. Es gibt zwar Apps dafür, aber mehr als 2-3 Tage im Voraus lässt sich da nichts voraussagen.

Wie man anderswo Mopeds oder Quads ausleihen kann, sind es in Narjan-Mar Schneemobile. Ihr könnt damit auf eigene Faust durch die verschneite Tundra düsen oder wenn es etwas entspannter sein soll, eine geführte Tour machen.

Jedes Jahr im März findet auch eine Schneemobil Meisterschaft statt. Dabei treten mehrere Fahrer mit modernen oder traditionellen Schneemobilen, sogenannten Burans, gegeneinander an. Es gibt Wettrennen, Geschicklichkeitsparcours und vieles weitere zu erleben rund um den Schneemobilmotorsport. Diese Veranstaltung ist eines der größeren Events in der Region und ihr solltet sie nicht verpassen.

Wenn ihr es ganz rustikal wollt und einmal in das Leben eines traditionellen Rentierzüchters tauchen wollt, dann bietet sich ein Besuch bei den Nenzen an. In Narjan-Mar könnt ihr da eine entsprechende Tour buchen und werdet dann per Schneemobil, Hubschrauber oder Trekol in die Tundra gebracht. Ihr verbringt dann eine oder mehrere Nächte in einem Tschum und lernt die Nenzen und ihr Leben von ganz nahmen kennen.

Unweit von Narjan-Mar befindet sich das verlassene Dorf Pustozersk. Einst die erste Siedlung in der russischen Arktis, ist Pustozersk heute verlassen. Auch die meisten Gebäude gibt es so nicht mehr. Nur eine Gedenkstätte erinnert noch an den historischen Ort. Wenn die Witterungsbedingungen es zu lassen, könnt ihr von Narjan-Mar aus mit dem Auto über den zugefrohrenen Fluss Petschora nach Pustozersk kommen. Es werden aber auch Touren mit Trekols oder Schneemobilen angeboten. In Narjan-Mar selbst gibt es ein kleines Museum, welchen sich mit der Geschichte von Pustozersk und dem Leben in der russischen Arktis befasst.

Im Zentrum von Narjan-Mar findet ihr eine schöne hölzerne Kirche, die sowohl von innen als auch von außen schön anzusehen ist. Besonders wenn Schnee liegt, ist die Kirche ein schönes Fotomotiv.

Ein kleines Highlight in Narjan-Mar ist auch der zugefrorene Fluss Petschora im Winter. Dann könnt ihr Fischerboote sehen, welche wie in einem ausgetrocknetem Flussbett auf dem trockenen liegen zu scheinen. Spannend ist auch eine Autofahrt über den Fluss, z.B. nach Pustozersk oder eine Wanderung durch die weiße Landschaft auf dem Fluss entlang.

Die Region „Autonomer Kreis der Nenzen“ bietet sich auch für Wanderungen an und ihr könnt euch sicher sein, hier nicht so oft andere Leute anzutreffen. In Narjan-Mar werden geführte Wandertouren angeboten, wenn ihr mutig seid könnt ihr natürlich auch auf eigen Faust losziehen.

Helikopter sind ein wichtiges Transportmittel in der Region. Vor allem um die entlegenen Siedlungen der Nenzen zu erreichen, Arbeiter zu den Gasfeldern zu bringen oder Kinder in die Schule. Man kann auch als Tourist einen Platz im Heli ergattern, allerdings ist es nicht immer sicher auch wie gewünscht zurück zu kommen, da der Faktor Wetter eine große Rolle spielt und die Hubschrauber bei ungünstigen Bedingungen einfach nicht fliegen können. Mit dem nötigen Kleingeld könnt ihr euch auch einen Helikopter chartern, für Rundflüge oder um z.B. entlegene Ecken der Region zu besuchen.

Am südöstlichen Rand des Autonomen Kreises der Nenzen befindet sich die nördlichste Thermalquelle auf dem Planeten. Die Thermalquellen „Pym-Va-Shor“ sind nicht sehr leicht zu erreichen und die Anreise dauert gut 2 Tage. Im Winter kann ein Großteil der Strecke von über 500km auf dem Zimnik und der Rest per Schneemobil absolviert werden. Im Sommer müsst ihr mit dem Helikopter bis in das Dorf Haruka fliegen, dann geht es per Boot weiter. Dafür könnt ihr euch im Winter bei -40°C in ca. 18°C warmen Wasser aufwärmen und im Sommer steigt die Wassertemperatur sogar auf 28°C. Früher waren die Quellen bis zu 40°C warm. Dem Wasser werden heilende Kräfte zugeschrieben, aber es ist auch sicher einfach nur erholsam sind in der malerischen Landschaft im warmen Wasser zu entspannen.